Sie versuchten, unsterblich zu sein

Veröffentlicht am: Sun, 11/04/2010 Rezensionen Nicole Zachmann, Fish of Hope

So muss ein Buch aussehen, dann klappts auch mit dem Nachbarn. Ein leicht abgewandelter Satz aus der Spülmittelwerbung und auch schon eine Weile her. Noch länger her ist die Sache mit dem Punk. Es gibt Präpunks (Iggy Pop & The Stooges), Punks (Johnny Rotten), vermeintliche Punks (Offspring, Green Day) und Postpunks (alle Musiker mit Ehrgefühl).
Aber gehts nur um Musik?
In diesen Tagen, wo der Mann, der Punk ganz sicher nicht erfunden, aber geprägt hat, gestorben ist, darf man ihn vielleicht ein letztes Mal zitieren. Über Rock ’n’ Roll und dessen Weiterführung als Punk sagte also Malcolm McLaren (1946–2010): «Es geht nicht um Bands, um Songs oder um Gitarren. Sondern um den Versuch, unsterblich zu sein.» Der Fotoband «Fish of Hope» der Basler Fotografin Nicole Zachmann führt fünfzig dieser Versuche vor – ganzseitig, doppelseitig, die meisten schwarz-weiss, viele inszeniert, die meisten spontan. Und jede Figur in einer eigenen Pose. Wie kriegten diese Basler das hin? Warum waren die so cool?
Erklärungsversuch eines Nichtpunks: Wer bei Punk dabei war, musste durch eine Art von Schule, die das Gegenteil der Schule war. Punks waren prinzipiell unbeliebt, mussten also so oder so unten durch. Jeder Einkauf in der Migros war ein Auftritt. Schiefe Blicke abprallen
lassen. Geradeaus gehen. Und der weiche Kern erhielt eine harte Schale – nicht eine aufgezwungene wie im Büro oder im Militär, sondern eine eigene.
Das Buch von Zachmann steht in einer dreissigjährigen Tradition: Im Juni 1980 erschien ein Buch namens «Saus und Braus», das im Jahre der Zürcher Bewegung auf den riesigen, dadaistischen Spass zeigte, den Punk eben auch auslöste: Eine Kultur, zu der auch Ausrasten gehört, macht frei. Oder jedenfalls: freier.
Wenn «Saus und Braus» die Zürcher Saat war, dann ist «Fish of Hope» die Basler Ernte. Die Autorin Suzanne Zahnd hat den Spagat jener Zeit mittels kurzen Interviews erklärt und verortet. Und Nicole Zachmann hat von 1984 bis 1989 in den richtigen Momenten abgedrückt – in der verwirrenden Zeit nach Punk, wo das richtige Leben drohte und man den aufrechten Gang aufrechterhalten wollte.
Das Buch zeigt: Er gelang.