Das Magazin: «Hans Ulrich Obrist – Ausserirdisch»

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Tages-Anzeiger: «Ein weitläufiger Mann der Nacht»

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20min.ch: «Alien war Gigers Sündenfall»

Veröffentlicht am: Tue, 13/05/2014 Reviews H. R. Giger, Alien Diaries / Alien Tagebücher

«Alien war Gigers Sündenfall»
von J.-C. Gerber -

 

Auf der ganzen Welt wurde H.R. Giger verehrt. Nur in der Schweiz blieb ihm die Anerkennung der Kunstelite verwehrt. Laut Verleger Patrick Frey hat der Künstler darunter gelitten.

 

Herr Frey, H.R. Giger war einer der ganz wenigen Schweizer Oscar-Preisträger, ein Hollywoodstar. Trotzdem lebte er ziemlich bescheiden in Zürich-Oerlikon. Wie passte das zusammen? 
Er hat sich nur dort wohlgefühlt in dem Reihenhäuschen, das er in den 1970er-Jahren gekauft hatte. Als er in Hollywood war, hat er sich nur nach seinen zwei Katzen und seinem Heim gesehnt, wie er in seinen Tagebüchern festhielt. Dieses Haus war sein Kokon. Er war ein scheuer, ängstlicher Mensch, der mit seinen Bildern seine Ängste gebannt hat.

 

Der Zürcher Verleger Patrick Frey hat 2013 HR Gigers «Alien Diaries» veröffentlicht. Die Tagebücher verfasste Giger während der Arbeiten am Film «Alien», zwischen Februar und November 1978 in den Shepperton Studios in der Nähe von London.

 

Sie sprachen sein Haus an. Es soll sehr speziell eingerichtet sein. 
Gigers Haus ist sehr düster eingerichtet. Ich finde es faszinierend. Es ist eines der tollsten Künstler-Häuser, die es gibt. Es sollte integral unter Schutz gestellt werden. Meiner Meinung nach sollte es ins Unesco-Weltkulturerbe aufgenommen werden.

Obwohl H.R. Giger in mehrere grosse Hollywoodfilme involviert war, bezeichnete er «Alien» als den einzigen Film, mit dem er hundertprozentig zufrieden war. Wie kam das? 
Bei «Alien» war Giger von A bis Z in die künstlerische Ausgestaltung involviert. Er hat bis zur letzten Produktionsphase physisch bei der Herstellung der Props mitgearbeitet. Der Regisseur Ridley Scott war durch ein Albumcover von Emerson, Lake und Palmer auf Giger aufmerksam geworden und hat ihn extra in Oerlikon besucht, um ihn für das Projekt zu gewinnen. Giger hatte die totale Kontrolle über die Ästhetik des Filmes. Das gab es bei einer Hollywood-Produktion seither kein zweites Mal mehr. Auch Giger hatte bei späteren Filmen nie mehr diesen Einfluss auf das Endprodukt.

Welche Bedeutung hat das Wirken von Giger für die Schweizer Kulturszene? 
Gigers Werk wurde durch «Alien» Teil der Popkultur. Er wurde dadurch weltberühmt. In New York gibt es Tattoo-Studios, die nichts anderes als Giger-Motive stechen. Weltweit träumen Künstler davon, einen solchen Einfluss auf die Popkultur zu haben. Doch die Schweizer Kunstszene hat ihn deswegen geschnitten. Der Konsens war: «Giger ist Mainstream. Oder Genre-Kunst.» Nach «Alien» wurde er nicht mehr in Museen ausgestellt. «Alien» war Gigers Sündenfall.

Ein grosser unerfüllter Wunsch Gigers war es, in einer Einzelausstellung in einem wichtigen Museum gewürdigt zu werden. Wird sein Tod dazu führen, dass dieser Wunsch nun verwirklicht wird? 
Es ist möglich, dass in diese Richtung etwas geht. In letzter Zeit hat sich das Blatt etwas gewendet. In Chur gab es eine grössere Ausstellung zu seinem Werk. Aber bezeichnenderweise hiess sie «Gigers Werk vor Alien». Kürzlich habe ich Giger mit Hans Ulrich Obrist von der britischen Serpentine Gallery in seinem Haus in Oerlikon besucht.

In Zürich hatte Giger allerdings zeitlebens auf Granit gebissen. Das Kunsthaus hat sich in 30 Jahre nie bei ihm gemeldet. Auf eine Anfrage eines «Weltwoche»-Journalisten liess das Kunsthaus einmal ausrichten: «Es wollen noch viele Schweizer Künstler mal eine Ausstellung im Kunsthaus Zürich.» Man hat ihn schnöde, verächtlich behandelt.

Hat er zu Lebzeiten die Anerkennung erfahren, die er verdient hat? 
Er hat sie auf seinem Gebiet bekommen und hat das auch durchaus genossen. Wenn er in Paris eine Buchvernissage hatte, war die Schlange drei Blöcke lang. Bei einer Autogrammstunde im Museum Chur hielten ihm junge Damen aus New York den Arm hin und liessen sich anschliessend die Unterschrift tätowieren. Ich kenne keinen Künstler auf der Welt, der das geschafft hat. Er war wie der Führer eines seltsamen Kults. Zuhause blieben ihm die höchsten Weihen verwehrt. Er hätte sich diese Anerkennung sehr gewünscht. Doch er bekam nie einen wichtigen Kunstpreis in der Schweiz. Bis heute spaltete er die Sympathien in der Schweizer Kunstszene.

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